~ Hilfe seiner Familie... ~
Kapitel 09

...gab es nicht, im Gegenteil.

Diese unfassbare Eiseskälte, die ich bislang nur von IHM kannte,
bekam ich nun auch noch von seiner ganzen Familie zu spüren, nachdem ich aus seinem Haus geflüchtet war.

Menschen mit denen ich ständig in Kontakt stand, die mir über die Jahre ans Herz gewachsen waren,
die ich so richtig lieb gewonnen hatte, drehten mir von heute auf Morgen den Rücken zu,
haben mich so was von im Stich gelassen.

Und das nach allem, was ich ausgehalten und durchgemacht habe, nach allem was ich ja nicht nur für IHN,
sondern auch für seine Familie getan habe. Ich habe fast 2 Jahre lang gekämpft
wie eine Löwin, um ihn vom Alkohol loszukriegen, was mir am Ende ja auch gelungen ist
und ich habe, ich möchte es nochmal betonen, ihm das Leben gerettet.

Ohne mich könnten sie alle heute gar nicht mehr mit ihm an einem Tisch sitzen,
sondern würden an seinem Grab stehen !

Und das war nun der Dank ? Was sind das nur für Menschen ?
Wie kann man plötzlich so kalt und abweisend sein?
Und sie wussten doch bin ins kleinste Detail, was er mir alles angetan hat…
schämen die sich eigendlich gar nicht ? Wie können sie überhaupt noch in den Spiegel schauen ?

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Alleine seine Mutter rief die ganzen Jahre über 2-3 Mal die Woche an und wollte mal horchen was so los ist,
zu einer seiner 2 Schwestern gab es einen engen, ganz lieben, herzlichen Kontakt, so hatte ich es jedenfalls empfunden, mit viele Anrufen und regelmäßigem Email-Verkehr.
Dann gab es einen Cousin, der öfter mal anrief und auch ein paar Mal zu Besuch war…
ich habe mit dieser Familie Weihnachten gefeiert, mal ein Silvester, viele Geburtstage und auch bei einigen anderen Anlässen und Familienfeiern war ich dabei…

ich habe mit ihnen geweint, gelacht und mit ihnen in der Hoffnung gelebt, das am Ende alles gut wird

und nicht einer, nicht ein Einziger aus dieser großen Familie hat sich danach mal bei mir gemeldet.
Nicht einer…

um vielleicht mal zu fragen:

* geht es dir gut ?
* was ist denn da nun wirklich passiert ?
* wo um alles in der Welt steckst du denn nun ?
* hast du wirklich nur das Nötigste mitnehmen können ?
* stimmt es, dass er dich auch noch bedroht und beklaut hat ?
* ist wirklich dein Schmuck, dein Brief vom Auto und alles andere noch in seinem Haus ?
* und wie kommst du klar, da so mutterseelenalleine in einer fremden Stadt ?

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Da kam nichts mehr, nicht das geringste Interesse an meiner Person, ich war einfach allen plötzlich scheißegal
und auch diese unfassbare Gleichgültigkeit, tut mir heute noch weh.

Ich muss zugeben, da gab es schon im Vorfeld so einiges was mir recht merkwürdig an der Familie vorkam,
was ich allerdings irgendwie so abgetan und hingenommen habe.

Z.B. das ich nie andere Menschen bei ihnen Zuhause oder in ihrem Umfeld erlebt habe. Weder Freunde, noch Bekannte oder Kontakt zu Nachbarn, da gab es einfach keine anderen Personen, als immer nur Familienangehörige, die ständig wie ein Pulk aufeinander klebten und sich versammelten um an gemeinsamen "Gottesdiensten" teilzunehmen.

Dann bekam ich mal ein Gespräch mit, wobei seine Mutter von sich gab, dass sie die Hoffnung hat,
"dass es vielleicht mit DER mal klappt"… mit DER meinte sie mich.
Über diese Respektlosigkeit mir gegenüber war ich schon ziemlich baff !

Und es gab genau 3 Telefonate mit einer seiner Schwestern, kurz bevor ich in sein Haus zog
und bei allen 3 Gesprächen sagte sie:

"Bist du sicher, dass du das wirklich willst ? "

Ich habe mich damals schon gefragt was sie hat ?
Warum freut sie sich denn nicht für uns, dass wir zusammenziehen…?

Ja warum wohl, heute ist es mir klar…
weil sie genau wusste was mich dann erwartet und statt mir reinen Wein einzuschenken und mich zu warnen,
hat sie billigend in Kauf genommen, dass ich in mein Unglück renne,
wohl wissentlich das ich die Hölle erleben werde !

Sie wusste es genau, sie ist mit ihm aufgewachsen und ich möchte nicht wissen was er ihr alles angetan hat,
was sie alles ausgehalten hat ihrer Kindheit, mit so einem eiskalten Bruder.

Sie hat mir auch immer wieder in vielen Telefonaten versucht zu erklären, wenn ich wirklich am Rande der Verzweiflung war und immer wieder fragte was nur mit ihm los ist, dass er mich trotzdem liebt, es aber nicht so rüber bringen kann, er hätte eben Probleme Gefühle zu zeigen und das sein widerliches Verhalten halt am vielen Alkohol liegt.
Wie konnte sie nur so schamlos lügen…?

Und ich hatte sie so gern !

Fakt ist, er ist kalt und abgebrüht wie man es schlimmer nicht sein kann, ein Blender.
Er ist ein Soziopath und abgrundtief böse...

und sie haben es alle gewusst !

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Nachdem ich mich einigermaßen bekrabbelt hatte, da oben an der See
und es mir ein kleines bisschen besser ging, rief ich seine Eltern an.
Wen auch sonst ? Ich hatte ja niemand anderen mehr und bat sie um Hilfe.
Erzählte, das ich da praktisch mit Nichts aus dem Haus geflüchtet bin und ob sie mir helfen meine Sachen da raus zu holen, weil ich panische Angst vor Ihm habe.

Dass ich alles zurückgelassen hatte und er mich auch noch beklaut hat
interessierte sie recht wenig, ja eigentlich gar nicht, sie nahmen völlig es gelassen hin,
als würden wir am Telefon über das Wetter reden, es war ihnen einfach wurscht !

Die Mutter sagte mir dann, dass sie natürlich kommen würden
und mit einem unbeschreiblich spitzen, ironischen Unterton:

"Na… uns wird er doch wohl nichts tun ?"

Ich dachte, ich höre nicht richtig…?

Sie wusste in allen Einzelheiten davon, wie er mich mal durchs Badezimmer gehauen hat, dass ich fast 3 Monate nicht richtig sprechen konnte, dass mein ganzer Körper übersät war von Blutergüssen, ich lange Zeit entsetzliche Schmerzen hatte und was ich auch sonst noch Schlimmes erlebt und ausgehalten habe...

und das ich "trotz Allem" weiter gekämpft habe, um ihm zu helfen...

und diese Frau verhöhnt mich nun noch...?

Mit einem fast belustigtem Ton richtete sie mir dann noch aus, dass ER froh ist das ich weg bin
und wann genau ich denn meinen Sperrmüll nun abholen wolle ?

Unfassbar, einfach unfassbar !

Was für eine unglaublich eiskalte Frau, die nun auch ihr wahres Gesicht gezeigt und ihre Maske hat fallen lassen
..... mich hat es einfach nur geschüttelt.

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Ich kann mich noch an ein Wochenende errinnern, als sei es gestern gewesen.
Seine Eltern waren zu Besuch, ich wollte mit seinem Vater am Abend einen Boxkampf mit Klitschko anschauen
und seine Mutter ist förmlich ausgerastet als sie das mitbekam, sie wurde richtig wütend,
weil sie absolut gegen Gewalt ist und Boxkämpfe einfach nur schrecklich und grauenhaft findet…

dass aber ihr eigener Sohn, in brutalster Art und Weise Frauen zusammen schlägt
und ich weiß definitiv, ich war nicht die Erste…
dass ist scheinbar OK,
dass macht ihr nichts aus, da verliert sie kein Wort drüber.

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Ich rief seinen Cousin an und fragte... ja bettelte schon fast, ob er mir helfen kann meine Sachen da aus dem Haus zu holen, auch zu ihm gab es einen sehr lieben Kontakt über die Jahre. Er sagte erst zu und kurze Zeit später wieder ab, er hätte angeblich doch keine Zeit…
da hätten sich ein paar Dinge überschlagen.

An irgendeinem Wochenende, als ich das Gefühl hatte genug Kraft zu haben um mich der Situation zu stellen, machte ich mich auf den Weg zu einer seinen Schwestern, die mir am meisten ans Herz gewachsen war, ich hatte sie wirklich richtig lieb gewonnen, sie war wie ein Sonnenschein in der Familie. Ich wollte ihr mal persönlich sagen und ihr dabei in die Augen gucken, was da in den letzten Wochen/Monaten wirklich abgelaufen ist, wie schlimm das war, das er mich am Tage meiner Flucht aus dem Haus auch noch bedroht und beklaut hat und das er das Blaue vom Himmel lügt, wenn er was anderes erzählt.

Ich wollte sie bitten sich darum zu kümmern, das ich wenigstens meine Wertsachen: Schmuck, den Brief und Zweitschlüssel von meinem Auto und meine Morle wiederbekomme, wenigstens diese Sachen… dass sie sich dafür einsetzt, doch dazu kam es gar nicht.

Ich kam nach knapp 2 Std. Fahrt dort an, klingelte und geöffnet wurde die Tür von seinem kleinen 6 -7 jährigen Neffen. Dieser sah mich da stehen, verzog das Gesicht zu einer Grimasse und donnerte mir mit voller Absicht, die Tür vor meiner Nase wieder zu… da verschlägt es einem schon die Sprache, wenn ein kleines Kind so reagiert !

Einer seiner Nichten machte mir die Tür dann wieder auf, bat mich rein, ich ging ins Wohnzimmer und es schauten mich alle an wie einen Geist, wie ein Ding aus einer anderen Welt. Die komplette Familie war vertreten, sie hatten einen Geburtstag zu feiern, einige begrüßten mich halbherzig, der Rest verschwand irgendwo im Haus, als hätte ich die Pest.

Ich stand dann da ein paar Minuten alleine und irgendwie hilflos in der Küche, als seine Mutter reinkam…
die mir ohne Umschweife sagte, dass ich verschwinden soll !
Es tut ihr leid dass ich so einen langen Weg hatte, aber ich sollte wieder gehen, sofort !

Krass, das war so krass und so unwirklich…

… ich habe alles für ihren Sohn getan und als "Danke schön" alles verloren,
bin wirklich komplett am Boden und diese Frau schmeißt mich nun auch noch raus...?

Ich kriege heute noch das Gruseln, wenn ich an ihren Gesichtsausdruck denke als wir da alleine in der Küche waren, ein Gesichtsausdruck, der mir schon allzu bekannt war.
Kalt, eiskalt... nun war es offensichtlich, von wem ER das hatte.

Ich bin noch mal kurz ins Wohnzimmer, sprach freundlich seine andere Schwester an, die sich dann abrupt umdrehte und extrem hochnäsig in eine andere Richtung guckte, als wäre ich gar nicht da, als wäre ich Luft. Mit einem Gesicht wie gemeisselt, kalt und herzlos...

einfach fürchterlich !

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Hochmut ist, wenn ein Mensch sich eine Vollkommenheit beimißt, die bei ihm nicht zu finden ist.
(Baruch de Spinoza, niederländischer Philosoph (1632 - 1677) )

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Eine kurze Zeit hielt ich das noch aus, doch seine eine Schwester, mit der ich sprechen wollte, von der ich überzeugt bin das sie ein warmes Herz hat, bekam ich nicht mehr zu Gesicht, sie ließ sich nicht mehr blicken und ich konnte es da auch nicht mehr länger aushalten, lief zum Auto und nur weg.

Die 2 Std. Rückfahrt liefen mir unaufhörlich die Tränen, denn nun war endgültig klar, von dieser Familie war keine Hilfe zu erwarten und ich werde nichts von meinen Sachen mehr wiedersehen.

Sie alle hatten mich einfach nur benutzt, wie einen Gegenstand und als ich nicht mehr funktionierte, einfach abgetan, weggeworfen, wie eine Altlast, mich einfach gestrichen.

In jeder anderen normalen Familie
hätte doch wenigstens einer den Mund aufgemacht und gesagt:
"Komm wir helfen dem Mädel jetzt, das sind wir ihr schuldig und es ist doch wohl selbstverständlich und das Mindeste, was wir für sie tun können, dass wir uns nun darum kümmern ihre Sachen da aus dem Haus hol
en,
w
ie soll sie das denn auch alleine schaffen !"

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Nun... in dieser Familie war es eben nicht so, denen war ich, von einem Tag auf den anderen
einfach völlig schnuppe.
Wo ich bin, was ich mache, wie es mir geht… es juckt keinen mehr !

Von einer " ach so frömmlichen Familie" hätte ich wirklich was anderes erwartet...?

Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie solch empathielose, selbstherrliche, egoistische Menschen erlebt
und fing an mich mit der Glaubenskultur der Neuapostolischen Kirche zu beschäftigen,
um vielleicht mal einen Einblick zu bekommen, was in deren Köpfen los ist ?

Wie kann es sein, das Menschen, die an Gott glauben, sich so unmenschlich verhalten ?

So kalt, so gleichgültig ?

Schon nach wenigen Recherchen war klar, ich war nicht nur in die Fänge eines Soziopathen geraten,
sondern auch in die Fänge einer fundamentalistischen Sekte.

Mittlerweile dachte ich, an einem Punkt angelangt zu sein,
an dem mich schon gar nichts mehr schocken kann...

doch weit gefehlt, das war wirklich die Krönung des ganzen Irrsinns !

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