~ Die Zeit allein und voller Hoffnung ~
Kapitel 03
 

Nach vorne gucken, nicht zurück, sagte ich mir jeden Tag

Er war dann 3 Monate weg, in verschieden Kliniken, zum Entzug und danach zur Reha wegen des Schlaganfalls.

Ich bin so oft zu ihm gefahren wie es nur ging, um ihm Mut zu machen und das man alles schaffen kann,
wenn man nur will !

Ich habe ihn alleine in Bad Wildungen 4 Mal besucht, (davon einmal mit seinen Eltern zusammen), diesen weiten Weg auf mich genommen nur um ihn zu sehen, um ihm Kraft zu geben, dass er spürt, dass er nicht alleine ist, dass er durchhält, das ein Neuanfang das Ziel ist und ich DA bin, an seiner Seite und ihn nicht fallen lasse.

Die lange Zeit alleine war nicht so wirklich leicht, es tat mir auf der anderen Seite aber auch richtig gut mal wieder aufzuatmen, mich zu sammeln, nichts aushalten zu müssen, ich hatte auch endlich wieder ein bisschen zugenommen und dieser schlimme Juckreiz, der mich seit einiger Zeit so sehr quälte, ging etwas zurück.

Habe mich dann um sein Haus, den Garten und allen möglichen anderen Kram gekümmert,
tja… unter anderem Heizöl bestellen, toll… wo und bei wem und wieviel…?
Und wo kommt es rein und dann, wo ist der Schlüssel zu dem Schloss davor..?
Egal…irgendwie habe ich die Problemchen in den 3 Monaten alleine und ziemlich locker auf die Reihe gekriegt.
Ich hatte es geschafft, das gab mir so viel Kraft und Ansporn, mein jahrelanger Kampf war nicht umsonst.
Wenn man liebt, an etwas glaubt und nicht aufgibt, wird am Ende alles gut,
so dachte ich !!

Meine Nachbarn standen mir immer hilfreich zur Seite, wenn ich mal nicht weiter wusste.
Eine ganz tolle und liebenswürdige Familie !
Ich dachte nun, wenn er nach Hause kommt und wieder klar ist im Kopf, der ganze Sprit aus dem Körper raus ist,
vergessen wir alles was war und fangen noch mal von vorne an.

Ich holte ihn dann überglücklich aus Bad Wildungen ab

....und....

... der nächste unfassbare Alptraum begann.


Ich kann es bis heute nicht begreifen…
jeder andere Mann hätte mich wahrscheinlich auf Händen getragen, aber nicht DIESER !

Ich hatte ihm das Leben gerettet, hätte ich nicht richtig reagiert und den Notarzt gerufen, gäbe es ihn gar nicht mehr,
er läge schon lange unter der Erde, ich hab mich gekümmert, gemacht, getan...
und ich dachte da kommt nun mal ein "Danke" in irgendeiner Form ?
Mal eine schöne Einladung zu Essen und vielleicht mal ein:

*Danke dass du mich gerettet hast
*Danke dass du mich nicht verlassen hast
*Danke für alles, was du für mich getan hast
*Danke für deine unendliche Liebe
*Danke, dass du mich nicht aufgegeben hast
* Entschuldige, was ich dir angetan habe…

…irgendwas…..???

Doch es kam NICHTS, stattdessen behandelte er mich schlimmer denn je…
obwohl er nicht mehr trank !

Sein Verhalten sprengte wirklich jedes Fassungsvermögen.

Warum tut er mir das nur an ?

Warum tut er mir so weh` ?

Was um alles in der Welt ist mit diesem Kerl los... was nur...?

Und warum passiert das alles? Immer die gleichen Fragen...

2 Wochen, bevor er wieder nach Hause kam, hatte ich mich noch ans Werk gemacht und Flur und Küche gestrichen, weil er das in 2 Jahren nicht geschafft hatte und nur seine Gier nach Sprit seinen Alltag dominierte.
Ich wollte ihm eine Freude machen, ihn damit überraschen.

Alles auszuräumen, diese ganzen Vorarbeiten, herjeee…
das war schon ein Akt und ein Haufen Arbeit, habe dann noch einen neuen Teppich gekauft für das Wohnzimmer oben, weil der alte Teppich erbärmlich stank und voller Brandlöcher und Flecken von verkipptem Alkohol war. Ich darf gar nicht daran denken was das alleine für ein Kraftakt war, dieses sauschwere Teil die Treppe nach oben zu wuchten, auszulegen und meinen schweren Glastisch darauf zu plazieren. Ich habe noch ein kleines Regal besorgt für` s Wohnzimmer und gefüllt mit alkoholfreien Getränken, auch ein neues Schuh-Regal im Flur, mit Sitzbank, weil er Schwächen hatte mit dem Gleichgewicht und der Motorik.

Ich hatte mir solch ein Mühe gegeben zu seiner Heimkehr, mich so auf einen 2ten Neuanfang gefreut…

und ihn hat das alles, als er nach 3 Monaten wieder nach Hause kam, gar nicht interessiert.

Er kam ins Haus, nahm kurz zur Kenntnis, das Eingangsbereich und die Küche frisch gestrichen waren, ging nach oben, stellte seine 2 Taschen ab, setzte sich auf seine Couch, wieder haargenau auf die gleiche Stelle, wo er vorher immer zum Saufen saß, machte den Fernseher an

...und das war`s.

Es war alles wie gehabt, wie vorher, nur dass er nicht mehr am saufen war und nicht mehr nach Alkohol stank
und mit unbegreiflicher Undankbarkeit und Eiseskälte überschüttete er mich weiter.

Ich habe die Welt nicht mehr verstanden...??????
war wieder so hilflos, so gelähmt und überfordert mit dieser jetzt neuen Situation
und nun wieder die gleichen Fagen...

WARUM...? WARUM...? WARUM...?
Was ist nur mit diesen Mann…?

Wie kann ein Mensch nur so unbeschreiblich gleichgültig sein?

Warum tut er mir das an, mir so weh ?

Am 26.02.2015 habe ich ihm aus Verzweiflung nochmal einen Brief geschrieben,
m
ein letzter Versuch ihn wach zu rütteln und diesen Brief auch per mail an seinen Cousin und seine Schwester weitergeleitet, weil ich mich so hilflos und alleine gefühlt habe und einfach nicht mehr weiter wusste und weil meine Angst vor ihm, langsam immer größer wurde.

Auch zu diesem Brief gab es von seiner Familie in keinster Weise eine Reaktion,
wie auch zu so vielem anderen nicht.

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